Wahlfavorit Duterte: Der Trump der Philippinen – SPIEGEL ONLINE

Doch die Warnung ist offenbar vergeblich: In den letzten Umfragen vor dem Beginn der Präsidentenwahl am Montag lag Duterte mit weitem Abstand in Führung. Der 71-Jährige ist Bürgermeister der Millionenstadt Davao auf Mindanao im Süden des Landes. Kritiker sehen in ihm einen kommenden Diktator. Im Wahlkampf präsentierte sich Duterte mit markigen Sprüchen wie eine philippinische Version des US-Präsidentschaftsanwärters Donald Trump:

Mit Drogendealern und Kriminellen will Duterte kurzen Prozess machen. „Wenn ich Präsident bin, mache ich in sechs Monaten Schluss mit der Kriminalität“, kündigte er an. „Richtet mehr Beerdigungsinstitute ein.“

In seiner Heimatstadt Davao wurden nach Angaben von Menschenrechtlern seit 1998 mehr als 1400 Menschen getötet. Er steht im Verdacht, brutale Bürgerwehren organisiert oder zumindest toleriert zu haben, die gegen mutmaßliche Kriminelle und Straßenkinder vorgehen.

Duterte bestreitet zwar, dass er Todesschwadronen unterhält. Er sagt aber auch: „Wer nicht weiß, wie man jemanden umbringt und Angst vor dem Sterben hat, ist nicht fit, Präsident zu werden.“

Im Wahlkampf drohte er außerdem damit, das Parlament aufzulösen und das Kriegsrecht zu verhängen, sollten die Abgeordneten seinen Anweisungen nicht folgen.

Duterte ist für derbe Aussagen bekannt. Papst Franziskus bezeichnete er einmal als „Hurensohn“. Bei einer Wahlkampfveranstaltung im April äußerte er sich unter dem Gelächter seiner Anhänger zur Vergewaltigung und Ermordung einer australischen Missionarin in seiner Heimatstadt Davao: „“Ich war wütend, dass sie vergewaltigt wurde. Das ist die eine Sache. Doch sie war so schön. Ich dachte, der Bürgermeister hätte der Erste sein sollen.“

Die Äußerung, die durch ein Internetvideo bekannt geworden war, wurde von der katholischen Kirche, von Frauenrechtsgruppen sowie von den Botschaftern Australiens und der USA scharf kritisiert. Duterte drohte daraufhin damit, um Fall seines Wahlsiegs die diplomatischen Beziehungen zu den beiden Ländern abzubrechen. Später entschuldigte Duterte sich für diese Aussage.

Bevor die rund 54 Millionen überwiegend katholischen stimmberechtigten Philippinen am Montag mit der Wahl begannen, lag Duterte trotz – oder wegen – seiner Sprüche mit 33 Prozent in Führung. Auf gut 20 Prozent kamen der Kandidat der jetzigen Regierung, Ex-Innenminister Mar Roxas, und Senatorin Grace Poe. Roxas gilt jedoch als farblos, Poe als unerfahren. Amtsinhaber Aquino darf nicht wieder antreten.

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